Im Gewirr der Dächer und Häuser der Stadt Geilenkirchen fällt ein hochragender spitzer Giebel ins Auge; dies wohl auch, weil das Gebäude, es ist das Amtsgericht, auf einer leichten Anhöhe liegt, ausgangs der Stadt im Norden, an der Ausfallstraße Richtung Holland. Diese Hochlage hat nichts mit dem "Hohen Gericht" zu tun, sie hatte einen ganz praktischen Grund:

Seit 1879 war das königlich-preußische Amtsgericht im Klostergebäude der Ursulinen untergebracht. Das Kloster lag in unmittelbarer Nähe der vorbeifließenden Wurm mit der Folge, dass der Bach "häufig, besonders in der warmen Jahreszeit üble Gerüche verbreitete, die Zimmer bei den undichten Fenstern feucht waren" (so zu lesen in einem Bericht vom 12.12.1910 an den Justizminister in Berlin).

Ständiges Hochwasser tat sein Übriges. Die Justizverwaltung suchte lange und wollte die Stadt zum Bau eines Amtsgerichtsgebäudes bewegen, wobei, aus der negativen Erfahrung heraus, die Höhenlage dringend gewünscht wurde. Mit der Stadt war eine Einigung nicht zu erzielen, für einen eigenen Bau fehlten die Gelder. Die Zeit drängte, die Ursulinen hatten den Mietvertrag mit der Justiz zum 1.12.1912 gekündigt. So war es ein findiger Kopf, Regierungsbaurat Sammeck, der aus dem Grundbesitz des Justizrats Embs das Grundstück auf dem das heutige Amtsgericht steht, erwarb. Er plante und errichtete das Justizgebäude und vermietete es der Justizbehörde; der erste Mietzins betrug 4½% der Baukosten, das waren jährlich 7.279,37 Reichsmark. Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Räume zweimal durch Besatzungstruppen belegt. Da der Eigentümer Sammeck die erheblichen Instandsetzungsarbeiten nicht mehr durchführen wollte, veräußerte er das Amtsgerichtsgebäude am 28.09.1928 an die Preußische Justizverwaltung, die Justiz war damit Herr im eigenen Haus.

Im Jahr 1932 wurde zusätzlich ein Gerichtsgefängnis auf dem Gelände errichtet. Mit der Verordnung des Reichsjustizministers vom 27.03.1935 kam das Ende des königlich-preußischen Amtsgerichts, Führung und Verwaltung der gesamten deutschen Rechtspflege gingen auf das sogenannte Dritte Reich über. Auch die unabhängigen Richter erfuhren bald, was die Machtübernahme bedeutete: der amtierende Amtsgerichtsrat Oscar Graf Ansembourg geriet mit den Nazis über Kreuz und zog sich in die Niederlande zurück. Er nahm dann 1945 seine Amtsgeschäfte wieder auf und nahm Wohnsitz in einem Abstellraum des Amtsgerichts.

Die Nachkriegszeit führte zu einer beträchtlichen Steigerung des Geschäftsanfalls, im Jahr 1959 wurde dem Gerichtsgebäude ein erster Erweiterungsbau angefügt. Im Zuge der Konzentration des Strafvollzugs wurde das Gerichtsgefängnis 1969 geschlossen.

Das Gericht wurde ab Oktober 1993 renoviert und im großen Stil umgebaut. Das ehemalige Gefängnis wurde zum Bürotrakt, damit einher ging die Anbindung dieses Gebäudes an das Hauptgebäude durch den Bau eines weiteren Treppenhauses mit Aufzug. Der gesamte Eingangsbereich wurde neu gestaltet einschließlich einer Sicherheitsschleuse. Die über 6 Jahre dauernden Arbeiten verschlangen ca. 5,2 Millionen DM, führten aber dazu, das sich das Amtsgericht heute durchaus modern und angemessen ausgestattet präsentiert.

Die Nutzfläche beträgt 1.350 qm, es sind 3 Sitzungssäle und 31 Büroräume eingerichtet. Die IT-Vollausstattung ist abgeschlossen.

Dem Gericht gehören 7 Richter, 8 Rechtspfleger, 12 Beamte des mittleren-, 3 Beamte des einfachen Dienstes, 16 Justizangestellte sowie 2 Arbeiter an. Der Gerichtsbezirk umfasst heute die Städte Geilenkirchen und Übach-Palenberg sowie die Gemeinde Gangelt mit insgesamt ca. 65.000 Gerichtseingesessenen. Das Schöffengericht ist zudem zuständig für den Amtsgerichtsbezirk Heinsberg, während das Amtsgericht Heinsberg mit seinem Jugendschöffengericht für den Geilenkirchener Bezirk mit zuständig ist.